10 Hürden bei der Einführung von Usability-Engineering

Einführung Usability EngineeringUsability verschafft Marktvorteile. Dem Institut für Mittelstandsforschung zufolge haben 60% der deutschen Software-Produzenten Usability als Unternehmensziel festgelegt. Die Hersteller, die Produkte mit hoher Usability schufen, stellten einen überdurchschnittlichen Anstieg ihres Umsatzes und der Zufriedenheit ihrer Kunden fest.

Hinter Produkten mit hoher Gebrauchstauglichkeit steht Usability-Engineering. Dieses Vorgehen ist auch als user-zentrierte Entwicklung bekannt und führt sich nicht von allein in Ihr Software-Unternehmen ein. Auf was Sie achten sollten, möchte ich Ihnen zeigen. Bei unserer Beratung zur Einführung von Usability-Engineering begegnen wir regelmäßig folgenden Einstellungen und Befürchtungen:

1. „Das haben wir schon immer so gemacht.“

Die Kollegen möchten nicht die Methoden des Usability-Engineering nutzen. Der Hauptgrund hierfür ist ein fehlendes Verständnis für den Nutzen der Usability-Methoden. Dieser reicht von faszinierenden User-Interface Designs bis hin zu einer Entwicklung, die von persönlichen Geschmäckern befreit ist.

2. Angst vor Veränderung seitens der Kollegen

Sehen die Kollegen den Nutzen eines Usability-Prozesses, heißt das noch lange nicht, dass sie die Veränderungen tragen. Neben den persönlichen Einstellungen und Befürchtungen Ihrer Kollegen kann auch einfach eine diffuse Angst vor Veränderung der Grund für das Bremsen sein. Bringen Sie vorurteilsfrei ihre Gründe in Erfahrung. Suchen Sie anschließend gemeinsam nach den Rahmenbedingungen, welche Ihre Kollegen auffangen.

3. Akzeptanz von Zusatzaufgaben

Eine besondere persönliche Einstellung betrifft Zusatzaufgaben. In der Regel haben alle Beteiligten den Anspruch einen guten Job zu machen. Gleichzeitig haben sie wenig Zeit für ihre ohnehin langen ToDo-Listen. Neue Aufgaben kosten nun einmal Zeit um sich einzuarbeiten. Räumen Sie den Betroffenen die Zeit ein, die sie in der Lernphase benötigen. Zum Umgang mit neuen Methoden gehört nun einmal Erfahrung. Ihre Firma profitiert davon.

4. Kosteneinsparungen behindern iterative Entwicklung

Usability-Engineering basiert auf einem iterativen Vorgehen. Beim Begriff Iteration denken Hersteller an die aufwendige Umprogrammierung für Funktionen oder User-Interfaces. Doch Usability-Engineering reduziert diese aufwendige Mehrfach-Programmierung. Das gelingt, weil wir nicht das programmierte Produkt iterativ verbessern, sondern einen funktionslosen User-Interface Prototypen. Umgesetzt werden am Ende nur die Anforderungen, welche die Qualitätskontrolle bestehen.

5. Probleme bei der Synchronisation von Entwicklungs- und Usability-Prozess

Kein Hersteller kann es sich leisten, die Entwicklung wegen Usability-Maßnahmen pausieren zu lassen. So befürchten die Beteiligten Probleme bei der Synchronisation von Entwicklungs- und Usability-Prozess. Diesen Bedenken begegnen wir mit ausgewählten Mitteln in User Research und UI Prototyping, die ideal zum Zeitplan der Entwicklung passen.

6. Kein direkter Kontakt zu End-Usern

Die unterschiedlichen Fachbereiche eines Unternehmens haben unterschiedlich guten Zugang zu den End-Usern. Die Entwicklung ist von ihnen am weitesten entfernt. An dieser Stelle wird deutlich, dass anwender-zentrierte Entwicklung eine interdisziplinäre Aufgabe ist. Hier helfen Ihnen die Methoden und Erkenntnisse der Psychologie. Unter anderem dienen sie Ihnen dazu, bei allen Beteiligten bis hin zur Entwicklung einen Konsens zum Nutzungskontext herzustellen.

7. An der Anzahl der Beteiligten scheitern

Usability-Engineering ist ein Thema, dass verschiedene Bereiche eines  Unternehmens vom Marketing, Produktmanagement über die Entwicklung bis hin zum Vertrieb und Support berührt. Befürchtungen, dass die Einführung an der Menge der Beteiligten scheitert, sind daher verständlich. So wie Rom nicht an einem Tag erbaut wurde, wird auch Usability-Engineering nicht von heute auf morgen eingeführt. Fangen Sie klein und mit ausgewählten Methoden an. Das wichtigste ist jedoch, begleiten Sie die betroffenen Fachbereiche behutsam auf ihrem Weg.

8. Alle Nutzer-Gruppen einzubinden ist unmöglich

Dieses Argument verliert im Zeitalter des Internets an Bedeutung. Aus methodischer Sicht bietet das Internet viele Werkzeuge zur Einbindung der User in die Entwicklung an. Im Vergleich zu vielen Offline-Methoden sind sie zudem schneller und preiswerter. Teilweise liefern sie sogar bessere Ergebnisse.

9. Hersteller sind die Experten für den Einsatzbereich der Produkte

User Research ersparen sich Hersteller ohne Erfahrung mit Marktforschung gern mal. Auf Basis ihrer jahrelangen Erfahrung wüssten sie genau, wie ihre User ticken. Das ist gefährlich, weil dieses Denken ihren Blick mehr auf die Bestätigung der Annahmen lenkt als auf ihre vorurteilsfreie Bewertung. Schließlich kosten Fehlannahmen viel Geld.

10. Einhaltung eines riesigen Prozess-Apparates

Prozesse fühlen sich in der Regel riesig an, wenn sie den Ablauf stören. Das ist immer dann der Fall, wenn neue Abläufe nicht mit den Menschen abgestimmt werden, die sie leben sollen. Aufwendiger aber eben auch nachhaltiger ist die Einbindung der Beteiligten in die Einführung der nutzer-zentrierten Maßnahmen.

Den soeben genannten Punkten und Weiteren ist mit Taktgefühl zu begegnen. Ein leichtfertiges Vorgehen und falsche Worte führen zu Schäden, die noch Jahre später in Ihrer Organisation zu merken sind. Ihre aktive Entscheidung für bewährtes Usability-Engineering und professionelles Change-Management beugt dem vor.

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