Wie gelungene User Interfaces unser Gedächtnis entlasten

Ease of use für User Interface DesignImmer wieder merke ich, dass mich meine derzeitige Situation an die Grenzen meiner Gedächtnisleistung bringt – Ich bin schwanger! Betroffen ist vor allem mein Arbeitsgedächtnisses (das sog. Kurzzeitgedächtnis). Dieses wirkt sich auch auf das Lernen von Neuem aus.

Um diesem Problem im Arbeitsalltag zu trotzen, notiere ich mir wichtige Informationen akribisch. Leider merke ich auch, dass mir der Umgang mit meiner Arbeitssoftware schwerer fällt. Komplexe Arbeitsschritte speichert mein Kopf einfach nicht vollständig ab. Glücklicherweise kann ich aber auf verständnisvolle Kollegen und viel Eigenhumor aufbauen.

Mein akuter Hormoncocktail (HCG, Progesteron, Prolaktin und Oxytoxin) ist die wohl bekannteste Ursache für meinen geistigen Zustand. Der Mangel an Schlaf und weitere physische Belastungen erschweren dies zusätzlich. Soweit so gut! Doch nicht nur werdende Mütter müssen diese alltäglichen Lasten (er-)tragen.

Jeder von uns, egal welchen Alters, muss mit körperlichen und geistigen Hindernissen fertig werden. Hinzu kommt der Alltagsstress, der den Wunsch nach einer bequemen Interaktion mit einer Software lauter werden lässt. Grund genug, um diese Tatsachen in die Entwicklung von Software und Service Design einfließen zu lassen. Doch welche Möglichkeiten stehen uns dafür zur Verfügung?

Methoden zur Entlastung des Arbeitsgedächtnisses

In der psychologischen Forschung sind bereits mehrere Möglichkeiten zur Entlastung des Arbeitsgedächtnisses evaluiert und bestätigt worden.

Die Methode Chunking (Bündelung) ist eine von ihnen. Chunking bedeutet, sprachliche Information in Gruppen zugliedern. So werden sie besser im Arbeitsgedächtnis verarbeitet. Beispielsweise wäre hier das Zerlegen von Telefonnummern in einzelne Blöcke zu nennen. Die Gedächtnisbelastung bei der Nummer: 22368840 ist demnach bedeutend höher als die der Chunking-Variante: 223 688 40. Diese Informationsblöcke, welche auch Wörter sein können, werden dann Chunks genannt.

Eine ebenso sinnvolle Methode ist Card-Sorting. Diese wird bei der Entwicklung des User Interface Designs angewandt und dient der Gestaltung von Navigationsstrukturen. Sie unterstützt das Zuordnen von Begriffen in Gruppen und greift auf festgelegte Strukturen im Gehirn zurück. Diese sind im Langzeitgedächtnis verankert und entlasten somit das Kurzzeitgedächtnis dauerhaft. Besonders das Gestalten von flachen Software-Hierarchien ist hier von hohem Nutzen.

Aber auch einfache Möglichkeiten wie das Entwickeln von Hilfsfunktionen dienen der Entlastung unseres Gehirns. Beispielsweise das Aufnehmen von Arbeitsschritten (Makros) oder das Anzeigen von Tool-Tips. Auch das Einführen von Erinnerungstools und -diensten (Terminerinnerung per SMS oder Email) helfen im Umgang mit Ihrer Software.

Gedächtnisleistung und Arbeitsalltag effektiv unterstützen

Alle diese Methoden unterstützen die Reduzierung der Gedächtnisbelastung enorm. Sie beanspruchen eher das Langzeitgedächtnisses oder bedienen sich fester Strukturen, wie Schemata. Die mentale Belastung Ihrer User wird dabei wirkungsvoll reduziert. Schlussfolgernd trägt diese Entlastung auch zur geistigen Gesundheit Ihrer User bei. Ihre Software fördert somit nicht nur die Zufriedenheit, sondern trägt auch zu einer höheren Produktivität Ihrer Kunden bei. Die Konzentration auf das Wesentliche wird gestärkt und ein besseres Zeitmanagement ermöglicht.

Alltagssituationen in die Entwicklung einbeziehen

Psychische und physische Belastungen treffen jeden Ihrer Anwender. Ziehen Sie diese Realität zusätzlich zur Persona in Ihre Entwicklung oder Ihren Service mit ein. Erleichtern Sie Ihren Usern den Alltag durch die Einbindung dieser hilfreichen Methoden und Funktionen.

Quelle: Linneweh, Klaus (2002). Stresskompetenz. Der erfolgreiche Umgang mit Belastungssituationen in Beruf und Alltag. Weinheim, Basel: Beltz.

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