Wahrnehmungspsychologie im UI-Design

Wahrnehmung im UI-DesignWie Muster und Geone unsere Objektwahrnehmung vereinfachen.

Die Herausforderung ein schnell verständliches und zudem kreatives Graphical-User-Interface (GUI) zu gestalten, stellt sich für jeden Graphik-Designer stets erneut. Sind auch Ihnen die Schwierigkeit bei der Wahl der Farben und des Graphikstils bekannt?

Die größte Schwierigkeit ergibt sich meist aus der Zusammenstellung von Formen und Mustern. Dabei gilt, diese optisch leicht erkennbar zu machen und kontextbezogen sowie konform einzusetzen. Dieses Problem lösen Sie souverän, indem Sie sich mit der Wahrnehmung von Objekten befassen. Die Forschung zur Wahrnehmungspsychologie bietet Ihnen hierfür fundierte und einfach umsetzbare Lösungen an.

Über Mustererkennung und Geon-Theorie

Ein Grundprinzip der Objektwahrnehmung stellt dabei die Erkennung von Mustern dar. Der Mensch sucht förmlich nach Mustern, um dem Gesehenen Struktur und Einklang zu verschaffen. Forschungen aus dem Jahr 1959 haben gezeigt, dass wir bestimmte Zellen in der Sehrinde haben, die jeweils nur auf waagerechte, senkrechte oder winkelverstellte Linien reagieren. So ist es uns möglich, Muster schneller zu identifizieren und diese dann kontextbezogen abzuspeichern. Wir können das Gesehene mittels dieser Veranlagung also schneller erfassen und verstehen.

Diese Veranlagung verhilft uns zu einem weiteren Vorteil. Ein ähnliches Gefüge gibt es für das Erkennen von Objekten. Hier geht die Forschung davon aus, dass Objekte in einzelne Formen – sogenannte Geone (geometrische Ikone) zerlegt werden. Aus heutiger Sicht entsteht die Objektwahrnehmung aus der Reduzierung eines Objektes auf seine Geone. Unser Gehirn verfügt über 36 Grundformen (Abkömmlinge eines Zylinders), die es dann zu Objekten zusammensetzt. Insgesamt können damit bis zu 150 Millionen bildhafte Objekte, wie sie sich zum Beispiel in Icons wiederfinden, erzeugt werden.Das Erkennen von Objekten steht wiederum mit der Mustererkennung in einem engen Verhältnis. Die Geone werden erst von unserer Sehrinde in einzelnen Linien extrahiert und wahrgenommen. Anschließend werden die Geone bezüglich ihrer Raumlagebeziehung zueinander analysiert und mit repräsentativen Objekten im Gehirn verglichen. Je mehr Geone dabei wahrgenommen werden, um so schwieriger wird es, das Objekt zu entschlüsseln.

Genetische Veranlagungen beim User-Interface-Design nutzen

Diese Veranlagungen in unserer Sehrinde helfen uns, Objekte – auch aus verschiedenen Blickwinkeln – in Bruchteilen von Sekunden zu identifizieren. Setzen Sie beispielsweise bestimmte Muster konform im GUI ein, so unterstützt dies die wahrgenommene Ordnung des User-Interfaces. Allgemein verbessert sich somit auch die Orientierung im GUI und uns wird Sicherheit verschafft.

Muster erzeugen Sie am Besten durch inhaltliche Gruppierungen und den Einsatz von Weißraum. So ist es uns beispielsweise möglich Online-Shops sehr schnell von reinen Informationswebseiten zu unterscheiden. Die typische Anordnung von Elementen und der entstehende Weißraum zwischen diesen, lässt und Muster schneller erkennen und deuten.

Genau dieses Vorgehen trifft auch bei der Identifizierung von Icons und Graphikenn zu. Der wiederkehrende Einsatz von Icons oder Graphiken fördert zudem das Erkennen möglicher Funktionen einer Software. Besonders bei Platzmangel sind hier ikonische Graphiken anstelle textueller Beschreibungen sinnvoll. Um die Klarheit der möglichen Funktionen zu erhöhen, bietet es sich an, die Icons durch Geone darzustellen. Allerdings ist darauf zu achten, dass die Bilder dem gesamten graphischen Stil der Software entsprechen, aber dennoch als geometrische Formen (einzelne Geone) erkannt werden.

Wahrnehmungspsycholgie als Entscheidungshilfe nutzen

Der Einsatz von Geonen und Mustern ist dem gesamten User-Interface-Design in vielerlei Hinsicht dienlich. Strukturen, Ordnung und das Erkennen von Objekten werden maßgeblich unterstützt. Diese und weitere Erkenntnisse der Wahrnehmungspsycholgie helfen Ihnen die richtige Entscheidung in Gestaltungsfragen zu Ihrem Produkt zu treffen. Erleichtern Sie Ihren Anwendern die optische Wahrnehmung Ihres User-Interfaces, indem sie die oben genannten Erfahrungen in Ihrer Entwicklung einfließen lassen. Nutzen Sie die wahrnehmungspsychologischen Resultate zur Optimierung Ihrer Produkte und wenden Sie diese schematisch an.

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