Unterbrechungen nutzen im User Interface Design

Unterbrechungen im User Interface DesignWann Sie die Unterbrechungen und Ablenkungen der User zur Steigerung der Produktivität nutzen können.

In fast allen Arbeitsbereichen müssen Menschen mit immer wiederkehrenden Unterbrechungen im Arbeitsfluss fertig werden: Multitasking wird dadurch zu einer typischen Strategie der Arbeitsbewältigung.

Doch das muss nicht sein. Berücksichtigen Sie bei der Gestaltung eines User Interfaces neben dem Aufgabengebiet und dem Arbeitsplatz auch die Anwender samt ihren kognitiven Fähigkeiten. Das steigert die Produktivität der User und vermeidet Fehler.

Nachteile von Unterbrechungen

Unterbrechungen können in manchen Fällen gravierende Nachteile mit sich bringen. Zum einen führen häufige Unterbrechungen des Arbeitsflusses in manchen Bevölkerungsgruppen zu Unzufriedenheit.

Außerdem können zeitlich schlecht abgestimmte Unterbrechungen in vielen Arbeitsfeldern ablenkend wirken und sogar zu kritischen oder gefährlichen Situationen führen.

Vor allem dynamische Arbeitsbereiche leiden unter dem negativen Einfluss von Unterbrechungen. Der Mensch kann am besten Veränderungen seines Umfeldes wahrnehmen, wenn er sie direkt erlebt. Ist die Aufmerksamkeit nicht auf die Veränderung gerichtet, wird sie häufig gar nicht wahrgenommen. Dieses Phänomen heißt Veränderungsblindheit oder Change Blindness.

Vorteile von Unterbrechungen

Nichtsdestotrotz gibt es viele Situationen, in denen Unterbrechungen leistungsfördernd oder gar notwendig sind. Erinnerungen können Gedächtnisressourcen entlasten und Warnungen helfen dem Nutzer seine Aufmerksamkeit auf wichtige Informationen zu lenken, die er sonst nicht wahrgenommen hätte, vor allem in sehr komplexen Arbeitsumgebungen.

Außerdem haben Studien gezeigt, dass Menschen, die während der Erledigung einer Aufgabe unterbrochen werden, eine andere, effizientere Arbeitsstrategie anwenden, als Menschen, die bis zum Schluss durcharbeiten dürfen.

Zeigarnik-Effekt

Ein Mechanismus, der dieser Strategieänderung zugrunde liegt, ist der Zeigarnik-Effekt. Der Zeigarnik-Effekt ist ein Phänomen, bei dem Menschen eine Art Spannung empfinden, wenn sie bei der Bearbeitung einer Aufgabe unterbrochen werden. Diese Spannung wird erst dann wieder aufgelöst, wenn der Mensch die Aufgabe abschließen darf. Als Folge dieses Effektes können Menschen sich besser an den Einzelheiten unabgeschlossener Aufgaben erinnern als an abgeschlossener Aufgaben.

Unterbrechungen im User-Interface-Design

Beim Design von User Interfaces ist es wichtig, die Natur von Unterbrechungen zu berücksichtigen, um Nachrichten, Erinnerungen, Warnungen und sonstige automatische Unterbrechungen zu optimieren. Solche Unterbrechungen des Arbeitsflusses können häufig eingesetzt werden, um die Produktivität zu steigern, aber in anderen Situationen, sollten sie unbedingt vermieden werden. Um einen sinnvollen Einsatz zu ermöglichen, ist eine umfangreiche Analyse der Zielgruppe, der Aufgaben und des Arbeitsplatzes erforderlich.

Im Anschluss an dieser sorgfältigen Analyse müssen vor allem das Timing und Format von Unterbrechungen gewählt werden, sowie Interface Designs entwickelt werden, die das Wiedereinfinden in die ursprüngliche Aufgabe erleichtern.

Quellen:

Velichkovsky B. B. (2009). Proactive and reactive strategies in interruption handling. In: N. Taatgen, H. Van Rijn, L. Schomaker, & J. Nerbonne. (Eds.), Proceedings of the 30th Annual Conference of the Cognitive Science Society (CogSci 2009). Austin: Cognitive Science Society.

Wickens C. D. & McCarley J. S. (2008). Executive control: Attention switching, interruptions, and task management. In: C. D. Wickens & J. S. McCarley (2008), Applied Attention Theory, Boca Raton: CRC Press.

Zeigarnik Effect. http://www.psychwiki.com/wiki/Zeigarnik_Effect

Zijlstra F. R. H., Roe R. A., Leonova A. B., & Krediet I. (1999). Temporal factors in mental work: Effects of interrupted activities. Journal of Occupational and Organizational Psychology, 72(2), 163-185.

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