Welche Zahlen gute User Interface Designer in ihren Nutzern sehen

Wie würde das Datenblatt eines Anwenders aus Sicht eines User Interfaces aussehen?

Zahlen für ein User Interface Design

Datenblätter gehören zum guten Ton. Warum also mal nicht eines für die User erstellen und die Mutter aller Usability Checklisten ergänzen? Im Folgenden nehme ich Sie mit auf die Reise entlang des Weges der menschlichen Informationsverarbeitung. Die Bausteine des User Datenblattes liefert die Kognitionspsychologie.

Aufmerksamkeitsspanne

Informationen, die wir bewusst aufnehmen, bedürfen unserer Aufmerksamkeit. 8 Sekunden widmet sich ein Mensch einem Reiz, bevor er durch einen anderen Reiz wieder abgelenkt wird. Diese Erkenntnis stammt aus dem Jahr 2013. 2000 betrug die menschliche Aufmerksamkeitsspanne noch 12 Sekunden.

Ausgehend von einer sinkenden Aufmerksamkeitsspanne bei den Usern ist es um so wichtiger, sie auf Ihrer Seite zu behalten. Hierfür brauchen Sie ein User Interface Design, das einen schnellen Wiedereinstieg nach Unterbrechung ermöglicht und so zu einer positiven User Experience beiträgt.

Blickfeld

Genießt ein Interface die Aufmerksamkeit der User, stellt sich die Frage, was sie sehen können. Das gesamte Blickfeld menschlicher Augen deckt 100° ab. Der größte Teil unseres Blickfeldes gehört unserem peripheren Sehen und nehmen wir nur unscharf wahr. Die Stelle unseres schärfsten Sehens, das foveale Sehen, beträgt lediglich 1° um den fixierten Punkt.

Das entspricht bei 50 cm Abstand zum Bildschirm ca. 4 mm, die wir am schärfsten sehen können ohne unsere Augen zu bewegen. Bereits 3° neben dem fixierten Punkt nehmen User die Schärfe des Blickobjektes um 50% reduziert wahr.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich bei Menschen nach etwa 70 Minuten am flimmernden Bildschirm eine visuelle Ermüdung einstellt. Sie spiegelt sich in höheren Suchzeiten (+200 ms) und Fixationszeiten (+10 ms) pro Augenbewegung wieder. Außerdem steigt die Konzentration der User. In der Folge reduziert sich der Lidschlag, wird die Hornhaut schlechter versorgt und die Sehschärfe lässt etwas nach.

Mit hoher Zeichenschärfe, hohem Kontraste und passender Zeichengröße verschaffen Sie Ihrem User länger ein positives Erleben.

Ikonischer Speicherdauer

Information, die auf das menschliche Auge trifft, nimmt dieses in seinem sensorische Gedächtnis auf. Kommen die Informationen mit einem Abstand von ca. 100ms nimmt das Auge sie zudem als Einzelbilder wahr.

Die aufgenommene Informationsmenge beträgt pro Augenfixation vier Buchstaben links und sechs rechts vom Fixationspunkt und kann bis zu 200ms im ikonischen Speicher verweilen.

Am einfachsten berücksichtigen Sie die Augenphysiologie Ihrer User unter anderem durch die Anwendung der Gestaltgesetze für Ihr User Interface Design.

Arbeitsgedächtnis

Der sensorische Speicher gibt die aufgenommenen Informationen an das Arbeitsgedächtnis weiter. Auch als Kurzzeitgedächtnis bezeichnet, kann es drei Informationseinheiten für 7 bis 15 Sekunden speichern.

Bei Usern mit hoher Aufmerksamkeit steigt die Gedächtnisspanne auf 7±2 Informationen an, die für bis zu 2 Sekunden gespeichert werden. Nicht ohne Grund wird das Arbeitsgedächtnis als das Nadelöhr menschlicher Informationsverarbeitung bezeichnet.

Gelungene User Interfaces dosieren die Menge der Informationen auf das Wesentliche. Je nach Nutzungskontext kann das auch soweit gehen, dass eine UI-Ansicht nur eine Botschaft vermittelt. Bei nur zwei Optionen treffen Ihre User einfache Entscheidungen innerhalb von 70 ms.

Motorische Reaktion

Passend zur Entscheidung handelt Ihr User. Von seiner Entscheidung für eine Bedienhandlung wie dem Klick eines OK-Buttons bis hin zum Beginn der motorischen Ausführung vergehen etwa 70 ms.

Langzeitgedächtnis

Unmittelbar nachdem wir gelernt haben, wo wir das Gesuchte im User Interface finden oder wie die Bedienung funktioniert, setzt sofort das Vergessen ein. Innerhalb von drei Stunden vergessen wir am stärksten. Doch auch bis zu zwei Tage später vergessen wir noch stark.

Wiederholung durch konsistentes User Interface Design trägt dazu bei, das wir uns unsere Bedienhandlung einprägen. Das gestärkte Vorwissens lenkt unsere Erwartungen. Von ihm hängt ab, wo wir unser Blickfeld auf einem Bildschirm hinwenden und eine Funktion oder eine Information suchen.

Erwartete Reaktionszeit

Geben wir einem technischen System Arbeit, indem wir beispielsweise einen Button drücken, erwarten wir nach etwa 192 ms eine Reaktion vom technischen System. Danach steigt die Unruhe in uns, ob das System wirklich funktioniert.

Sollte das technische System die Ergebnisse nicht innerhalb von 192ms nach dem Klick liefern können, reicht den Usern auch ein Hinweis, dass die Arbeit aufgenommen wurde.

Fazit

Für alle User gilt dasselbe Datenblatt. Das birgt für Sie den Vorteil, dass Sie dieses Wissen in Ihrem User Interface Design berücksichtigen können und so Zeit bei Ihrer GUI-Entwicklung sparen. Die gewonnene Zeit können Sie verwenden um der allgemeinen Betriebsblindheit entgegenzuwirken. Untersuchen Sie, wie Ihre User tatsächlich mit Ihrer Software umgehen.

 

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