Taugt die Numeral Assignment Technique zur Anforderungspriorisierung?

Priorisierung von AnforderungenMethoden zur Priorisierung von Anforderungen in der Bewertung | Teil 1

Die Priorisierung der Anforderungen gehört zu den wichtigsten Aufgaben im Software- und Usability-Engineering. Aus gutem Grund existieren auch vielfältige Methoden zur Priorisierung der Produktanforderungen.

Für Sie heißt das: Sie haben die Qual der Wahl! Denn Sie fragen sich,

  • welche dieser Methoden die erfolgreichen Anforderungen am besten voraussagen?
  • um welche Methoden zur Priorisierung Ihrer Requirements Sie am besten einen Bogen machen sollten?

Diese beiden Kernfragen beantworten wir Ihnen in unserer Serie zu den Priorisierungsmethoden. Neben der Zuverlässigkeit der Ergebnisse erfahren Sie auch für jede Methode,

  • wie ihre Akzeptanz bei den Stakeholdern ist,
  • wie schnell sie durchführbar ist und
  • für welche Menge von Requirements sie sich am besten eignet.

Anforderungspriorisierung mit der Numeral Assignment Technique (NAT)

In diesem ersten Teil unsere Serie beginnen wir mit der Numeral Assignment Technique. Sie ist eine der bekanntesten Methoden zur Priorisierung von Anforderungen. Mit ihr gruppieren Stakeholder die Anforderungen nach ihrer Priorität. Die Gruppierung orientiert sich dabei stets an der folgenden Logik:

  • Pflichtanforderungen: Der Kunde kann nicht ohne sie
  • Sehr wichtige Anforderungen: Der Kunde möchte nicht ohne sie sein
  • Eher wichtige Anforderungen: Der Kunde weiß die Anforderung zu schätzen
  • Unwichtige Anforderungen: Der Kunde akzeptiert das Fehlen der Funktion
  • Anforderungen, die keine Rolle spielen

Anforderungspriorisierung mit der MoSCoW Technik

Ein bekannter Vertreter der Numeral Assignment Technique ist die MoSCoW Technik. Ihr Name enthält die Anfangsbuchstaben der vier Prioritätsgruppen, die sie verwendet. Diese lauten:

  • M – MUST have: Die Anforderungen dieser Gruppe sind für die Abnahme des Produktes zwingend erforderlich. Max. 60% des Gesamtaufwandes sind den MUST-Anforderungen zu widmen.
  • S – SHOULD have: Die SHOULD-Anforderungen müssen ebenfalls umgesetzt werden. Im Gegensatz zu den Anforderungen der MUST-Gruppe sind sie jedoch durch Change Requests und Verhandlungen veränderbar. Die SHOULD-Anforderungen machen ca. 20% des Gesamtaufwandes aus.
  • C – COULD (or nice to) have: Die COULD-Anforderungen sind nachgelagert. Voraussetzung für die Umsetzung jeder COULD-Anforderung ist, dass alle MUST- und SHOULD-Anforderungen erfüllt sind und noch Ressourcen für ihre Realisierung übrig sind. Ihr Anteil am Gesamtaufwand beträgt ca. 20%.
  • W – WON’T have this time: Die Anforderungen dieser Gruppe werden bewusst von der aktuellen Umsetzung ausgeschlossen. Sie werden in einem Ideenpool, einer Anforderungsliste bzw. dem Backlog aufbewahrt bis ihre Zeit für die Realisierung gekommen ist.

Akzeptanz der Numeral Assignment Technique

Wegen ihrer mutmaßlichen Einfachheit genießt die Numeral Assignment Technique bis hin zum Quality Function Deployment (QFD) eine weite Verbreitung. Verschiedene Untersuchungen deuten jedoch darauf hin, das die Stakeholder sich mit der Anwendung der Numeral Assignment Technique schwer tun.

Der Hauptgrund hierfür scheint in der Einzelbetrachtung der Anforderungen zu liegen. Die Stakeholder tun sich schwer mit der Methode, weil die Anforderungen nicht in Relation zu einander betrachtet werden oder keinen gemeinsamen Bezugspunkt haben.

Geschwindigkeit und Einsatzbereich der Numeral Assignment Technique

Das drückt sich auch im Zeitaufwand für ihre Durchführung aus, der höher als bei den effizienten Methoden zur Anforderungspriorisierung ist. Im Gesamtvergleich mit anderen Priorisierungsmethoden wird der Numeral Assignment Technique eine durchschnittliche Geschwindigkeit bei 20 oder weniger Requirements attestiert.

Zuverlässigkeit der Numeral Assignment Technique

Entgegen einem verbreiteten Irrtum arbeitet die Numeral Assignment Technique nicht mit einer Prioritätsskala. Die Ergebnisse der Numeral Assignment Technique werden als nominale Daten ausgegeben und zeichnen sich damit durch geringe Zuverlässigkeit aus.


INFOBOX zu nominalen Daten

Nominale Daten haben das niedrigste Skalenniveau und liefern damit die wenigsten Informationen zum gemessenen Merkmal. Mit ihnen sind nur Entscheidungen über die Gleichheit und Ungleichheit von Merkmalen möglich.

Nominal Daten wie die Häufigkeit, mit der verschiedene Anforderungen einer Prioritätsgruppe zugeordnet wurden, erlauben also keine Sortierung Ihrer Requirements nach ihrer Wichtigkeit. Dafür fehlt der direkte Vergleich der Anforderungen untereinander.


Die Einzelbetrachtung jedes Requirements fördert die Fehleranfälligkeit der Ergebnisse, weil der Vergleich mit den anderen Anforderungen fehlt.

Numeral Assignment Techniques wie die MoSCoW Technik sind unzuverlässig

Wie Sie sich sicher denken können, haben wir die Bewertung der Numeral Assignment Technique in unsere Methodenserie wegen ihrer hohen Verbreitung ausgewählt. Wegen mangelnder Akzeptanz dieser Priorisierungsmethode seitens der Stakeholder , geringer Durchführungsgeschwindigkeit und geringster Zuverlässigkeit der Ergebnisse raten wir Ihnen:

Lassen Sie bitte in Zukunft die Finger von der Numeral Assignment Technique.

Welche Methoden deutlich besser sind, erfahren Sie in unseren kommenden Artikeln zur Priorisierung Ihrer Anforderungen.

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Die folgenden Beiträge aus unserer Serie über die Methoden der Anforderungspriorisierung könnten Sie auch interessieren:

Quellen

http://www.teamworkblog.de/2012/03/wie-teams-mit-der-moscow-priorisierung.html

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