Taugt das Planning Game für Ihre Anforderungspriorisierung?

Priorisierung von AnforderungenMethoden zur Priorisierung von Anforderungen in der Bewertung | Teil 3

In unserer Methodenserie zur Priorisierung von Anforderungen nehmen wir dieses Mal das Planning Game unter die Lupe. Nach einer kurzen Beschreibung des Planning Games zeigen wir Ihnen,

  • wie zuverlässig die Methode ist,
  • wie ihre Akzeptanz bei den Stakeholdern ist,
  • wie schnell sie durchführbar ist und
  • für welche Menge von Requirements sie sich am besten eignet.

Anforderungen mit dem Planning Game priorisieren

Das Planning Game kommt ursprünglich aus der agilen Entwicklung. Der Charme dieser Methode liegt darin, dass sie verschiedene Sichtweisen auf die Priorität von Anforderungen berücksichtigt.

Ausgangspunkt für das Planning Game sind User Storys. Diese werden auf Karten gesammelt. Beachten Sie dabei, dass auf jeder Karte nur eine User Story stehen darf.

Nachdem die Anforderungen in Form von User Storys zusammengetragen wurden, gibt es zwei Bewertungsgruppen:

1. Priorisierung des Nutzens durch die Kunden

Die Stakeholder auf der Seite des Auftraggebers sortieren jede User Story auf einen von drei Kartenstapeln ein. Die Beschreibungen der Stapel lauten:

  • Ohne diese Anforderungen wird das System nicht funktionieren.
  • Diese Anforderungen sind weniger wichtig, aber generieren einen bedeutsamen Wert für das Business.
  • Diese Anforderungen wären schön zu haben.

2. Aufwandsschätzung durch Programmierer

Die Programmierer schätzen die Aufwände für die Umsetzung jeder Anforderung. Dafür verteilen sie die Karten ebenfalls auf einen der folgenden drei Stapel:

  • Diese Aufwände können präzise abgeschätzt werden.
  • Diese Aufwände können recht gut abgeschätzt werden.
  • Diese Aufwände können nicht abgeschätzt werden.

Nachdem der Nutzen und der Aufwand für jede User Story geschätzt wurde, sind Entscheidungen für die Umsetzung daraus abzuleiten. Gängige Spielarten sind die Folgenden:

  • Es werden nur die Anforderungen umgesetzt, ohne die das System nicht funktionieren wird.
  • Der Auftraggeber entscheidet auf Basis der Nutzenpriorisierung und der Aufwandsschätzung welche Anforderungen umzusetzen sind. Aufwand-Nutzen Diagramme veranschaulichen die Daten und erleichtern die Entscheidung.

Anforderungspriorisierung mittels Planning Game

Akzeptanz und Einsatzbereich des Planning Games

In der zuvor beschriebenen Spielart genießt das Planning Game eine große Akzeptanz bei den Stakeholdern. Diese Akzeptanz bleibt auch bei einer großen Menge von Anforderungen, also mehr als 50 zu bewertenden Requirements erhalten.

Geschwindigkeit des Planning Games

Gleichzeitig ist diese Variante des Planning Games schnell durchführbar. Im Vergleich mit anderen Methoden gehört es zu den schnellsten Techniken für die Priorisierung von Anforderungen.

Zuverlässigkeit des Planning Games

Die bisher vorgestellten Kategorien des Planning Games gehen mit einem nominalen Datenniveau einher. Die Zuordnung jeder User Story zu einer der vorgegebenen Kategorien führt daher zu einer Priorisierung von geringer Zuverlässigkeit. Die Fehleranfälligkeit der Ergebnisse ist nur durch den direkten Vergleich der Anforderungen untereinander zu beheben.

Anforderungen mit einem verbesserten Planning Game priorisieren

Die mangelnde Zuverlässigkeit des nominalen Planning Games führte wohl zu seiner Weiterentwicklung auf Basis einer Intervallskala.


INFOBOX zu intervallskalierten Daten (metrische Daten)

Aus Intervallskalen geht die Reihenfolge der Merkmale sowie ihr Abstand zueinander hervor. Einzig der Nullpunkt der Skala ist willkürlich gewählt.


Eine intervallskalierte Aufwandsschätzung innerhalb Ihres Planning Games, auch als Planning Poker bezeichnet, können Sie wie folgt gestalten:

1. Wählen Sie als erstes die User Story aus, die am schnellsten zu realisieren geht, also den geringsten Umsetzungsaufwand hat. Diese erhält den Wert 2.

2. Als nächstes bewerten Sie die erste User Story aus dem Stapel, ohne die das System nicht funktionieren wird. Der Umsetzungsaufwand wird dabei relativ zu der User Story mit dem geringsten Umsetzungsaufwand geschätzt. Angenommen die zu bewertende User Story wird im Vergleich zur am schnellsten realisierbaren User Story auf den fünffachen Aufwand geschätzt, so wird diese mit 10 bewertet.

3. Jeder beteiligte Programmierer schreibt seine Aufwandsschätzung auf ein Kärtchen und legt es verdeckt vor sich ab. Erst wenn alle anderen ihre Kärtchen ausgefüllt und vor sich abgelegt haben, werden alle Kärtchen umgedreht.

4. Wenn alle Programmierer denselben Aufwand geschätzt haben, gilt dieser Wert als gesetzt. Sie beginnen wieder bei Punkt 2 bis der Aufwand für jede User Storys geschätzt wurde.

5. Bei unterschiedlichen Aufwandsschätzungen begründen diejenigen mit der höchsten und tiefsten Schätzung ihre Bewertung für die betreffende User Story. Sollte ein Bewerter in der nächsten Runde seine Schätzung für dieselbe User Story wieder begründen müssen, so darf er die von ihm bereits genannten Argumente nicht noch einmal benutzen.

6. Nachdem Sie die beiden Begründungen gehört haben, geht es mit der Aufwandsschätzung für dieselbe User Story entsprechend Punkt 2 weiter.

Bitte beachten Sie für diese intervallskalierte Priorisierung, dass die Urteilenden sich nicht gegenseitig in Ihren Bewertungen beeinflussen. Das funktioniert nur, indem ausgedehnte Diskussionen vermieden werden. Auf diese Weise können Sie auch den gestiegenen Zeitaufwand für diese Priorisierungsmethode begrenzen.

Priorisierte Anforderungen berücksichtigen Kosten und Nutzen

Mit dem Planning Game verdeutlichen Sie allen Stakeholdern sowohl den Nutzen jeder einzelnen User Story als auch den mit ihr verbundenen Aufwand. In dieser integrierten Sicht, die sowohl die User als auch die Entwickler berücksichtigt, liegt der eigentliche Wert dieser Methode begründet.

Wie wir gesehen haben, lässt sich die Zuverlässigkeit der Aufwandsschätzung innerhalb des Planning Games steigern. Dasselbe ist auch für die Nutzenbewertung möglich. Welche Methoden sich hierfür anbieten, erfahren Sie in unseren kommenden Artikeln zur Methoden zur Priorisierung von Anforderungen.

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